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Fundamente, Analysen
und Empfehlungen.

«Warum sind manche Gesellschaften erfolgreicher als andere?»

Diese Kernfrage begleitet mich seit meiner Zeit an der Universität Zürich. Hier teile ich Texte und Bücher, die mein Denken geprägt haben oder aktuelle Entwicklungen an den Schnittstellen von Politik und Wirtschaft klug einordnen.

Empfehlung Buch Institutionen

Warum Nationen scheitern

Daron Acemoglu & James A. Robinson

Eines der besten Bücher darüber, wie ein Land erfolgreich sein kann – oder auch nicht. Ich konnte nicht aufhören zu lesen, bis ich das Ende erreicht hatte.

  • Inklusive vs. extraktive Institutionen: Nationen gedeihen, wenn politische und wirtschaftliche Systeme Macht und Chancen breit streuen. Extraktive Institutionen konzentrieren beides auf wenige – und führen in Stagnation.
  • Geschichte ist wichtig, aber kein Schicksal: Kritische Wendepunkte prägen Institutionen langfristig. Pfadabhängigkeit ist real – Veränderung bleibt aber möglich.
  • Innovation durch kreative Zerstörung: Nachhaltiges Wachstum verlangt, dass neue Ideen alte ersetzen. Inklusive Institutionen lassen das zu; extraktive blockieren es zum Schutz der Elite.
Buchcover · Why Nations Fail · Acemoglu, Robinson
  1. Buch Politik · Spieltheorie

    The Dictator’s Handbook

    Bruce Bueno de Mesquita & Alastair Smith

    Ein spieltheoretischer Ansatz, um zu verstehen, warum manche Länder zu armen Diktaturen werden und andere zu wohlhabenden Demokratien. Besonders aufschlussreich, warum rohstoffreiche Staaten oft den ersten Pfad einschlagen.

    • Macht durch eine kleine Gewinnerkoalition: Überleben heisst Schlüsselunterstützer bei Laune halten. Je kleiner die Gruppe, desto leichter durch gezielte Belohnungen.
    • Schlechtes Verhalten ist oft rational: Korruption und Repression sind nicht Versagen, sondern Strategien. Loyalität schlägt nationales Wohl, weil Machtverlust für den Herrscher schlimmer ist als Schaden am Land.
    • Demokratien brauchen grössere Koalitionen: Daher öffentliche Güter wie Bildung und Infrastruktur. Autokratien stützen sich auf kleine Koalitionen — mehr private Vorteile, mehr Ungleichheit.
    Buchcover · The Dictator’s Handbook · Bueno de Mesquita, Smith
  2. Buch Innovation · Wachstum

    Le Pouvoir de la destruction créatrice

    Philippe Aghion · Céline Antonin · Simon Bunel

    Dieses Buch hat mir geholfen, vieles zu verstehen – insbesondere warum junge Unternehmen Arbeitsplätze schaffen, während etablierte sie oft abbauen. Im Rahmen eines meiner Mandate war es mir ausserordentlich nützlich. Englisch erschienen als The Power of Creative Destruction (keine deutsche Übersetzung).

    • Innovation als Wachstumsmotor: Schumpeters kreative Zerstörung – disruptive Innovationen ersetzen alte Technologien und Modelle und treiben so Produktivität.
    • Rolle der Institutionen: Wettbewerbsorientierte Märkte, Rechtsstaat und soziale Absicherung müssen Innovation fördern und ihre Schattenseiten (Arbeitslosigkeit, Ungleichheit) abfedern.
    • Politik mit Augenmass: Investitionen in Bildung und Forschung plus Schutz der Verlierer (Weiterbildung, Sicherheitsnetze) – wirtschaftliche Dynamik und soziale Gerechtigkeit zusammen.
    Buchcover · Le Pouvoir de la destruction créatrice · Aghion, Antonin, Bunel
  3. Buch Wirtschaftssysteme

    Capitalism Alone

    Branko Milanović

    Schliesslich lag Fukuyama mit seinem Buch Das Ende der Geschichte nicht völlig falsch. Der Konflikt zwischen Kapitalismus und Kommunismus ist zugunsten des Kapitalismus entschieden. Der neue Wettstreit lautet: liberaler vs. autoritärer / politischer Kapitalismus.

    • Globale Vorherrschaft, zwei Formen: Liberaler meritokratischer Kapitalismus (USA, Westeuropa) und autoritärer politischer Kapitalismus (China, Russland) mit dominanter Staatsrolle.
    • Ungleichheit auf zwei Wegen: Im liberalen Modell durch Markt und Technologie, im autoritären durch politische Eliten – beides nährt soziale Unruhen und Polarisierung.
    • Anpassung als Überlebensfrage: Ohne Antworten auf Ungleichheit, Umweltzerstörung und demokratischen Rückschritt riskiert der Kapitalismus seine eigene Legitimität.
    Buchcover · Capitalism Alone · Milanović
  4. Buch Demokratie

    Gegen Wahlen

    David Van Reybrouck

    Seien wir ehrlich: Die repräsentative Demokratie steckt in der Krise. Wahlen führen heute häufig dazu, dass Demagogen mit extravaganten Versprechungen siegen. Van Reybrouck bietet eine vielversprechende Alternative.

    • Grenzen der Repräsentation: Wahlen reduzieren Demokratie auf ein periodisches Ritual. Die Folge: Kurzfristdenken, Polarisierung, Entfremdung.
    • Auslosung als Alternative: Zufällig gewählte Bürger – wie im antiken Athen oder modernen Bürgerversammlungen – beraten überlegter und vertreten Perspektiven breiter.
    • Hybrides Modell: Repräsentative Effizienz plus deliberative Legitimität – Bürgerversammlungen, partizipative Haushalte und direkte Mitgestaltung.
    Buchcover · Against Elections · Van Reybrouck